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SchoenbergSchnitzler 

Digital

Schönberg & Schnitzler

Erschienen im November 2014

Essay, 110th Verlag

chichili agency

Ebook, ca. 38 Seiten

Auf Biegen und Brechen

Also verschanzt sich Erzähler Alonzo (zuvor Niccolò) kursiv gedruckt, also mit Vorlage, straight ahead werden meine Bemerkungen anfallen nicht mehr auf der Insel Gozo, die ja eh kein Schwein kennt, sondern in der spanischen Stadt Buñol, die auch kein Schwein kennt. Aber immerhin, einem einmal im Jahr die Tomaten um die Ohren fliegen. Der Italiener ist also zu einem Spanier mutiert, warum auch nicht, die Geschichte würde ihm ohnehin nicht mehr gefallen, da ich Miesling, ihm (Niccolò) in den nächsten fünf Minuten seine Frau Ricarda entziehen werde. Eine Art wegzaubern. Mit der Selbstverständlichkeit des Schriftstellers. Und wäre er Odysseus, so würde ich ihm, sofern die Behauptungen stimmen, ganz einfach die Nymphe Kalypso absprechen. Alonzo stört dies nicht, denn von Ricarda hat er keinen Schimmer. Einer Amnesie zum Opfer gefallen demnach und das nur, weil ich von Bali und Ayam Taliwang, von Gouverneur und bayrischem Idiom nichts mehr hören, beziehungsweise lesen, beziehungsweise schreiben will. Nun ja, unser Schelmenroman mit Schönberg & Schnitzler wird wohl etwas abgespeckt in neue Erscheinung treten, was dem Ganzen jedoch bestimmt nichts abtut.

Ein Essay, der einen aufhorchen lässt. Explosiv und frech!

Andreas Wieland gibt dem Making of seines Schelmenromans und Debütwerkes

DER SONNENBETTLER in spritzig-sarkastischem Erzählfluß ein unverwechselbar literarisches Gesicht.

Auszug

Kapitel 13

„Heli, du verdammter Idiot!“, schrie er Karl aus Leibeskräften und fiel dabei immer wieder in ein Klagen, welches sich anhörte wie weinen flennen, trällern, ächzen, stöhnen. In seinen Mundwinkeln bildete sich Schaum Wut. Energisch riss er seinen Mantel vom Bügel, steckte Brieftasche, Zigaretten und Schlüssel ein und bestellte sich ein Taxi. Promille? Inmitten der Stadt Paris stieg er aus und lief quer durch Straßen und Gassen, bis vor das Juweliergeschäft, in welches er mit Heli eingebrochen war, Briefkastenfirmen, Blüten, Brüche, Sambamusik und Passatwinde. Damals glaubte er noch vom Glück verfolgt zu sein und jetzt? Jetzt schien alles den Berg hinunter zu rollen, was er mühsam hinaufgeschleppt hatte. Als käme ein alter Fluch wieder zum Vorschein. Mit ermattetem Gefühl rief er die Tschechin Grande Dame, Kahlkopf und Silberfuchs an und bat sie, sofort in die Stadt zu kommen. Es hatte aufgehört zu schneien. Karl stopfte sich seine Fellmütze in die Manteltasche und lief durch den Matsch zum Haus gegenüber. Er nahm das Treppenhaus, um zum Zimmer der Tschechin zu gelangen. Drinnen warf er den Mantel auf den Stuhl und legte sich rücklings aufs Bett. Wittern Sie Michel Houellebecq? Die Hände hinter dem Kopf verschränkt, die Augen stur zur Decke gerichtet. „Wäre ich doch bloß ausgestiegen damals“, nuschelte er vor sich hin. Wer zum Henker kann dies getan haben? Zufall? Einer der Tschechen? Hat man Heli abgepasst?

Requiem

Heli, wie Helikopter, wiederholte ich ihn und lachte. Dabei dachte ich an verschiedenste Verleger und wie Schönberg & Schnitzler als Bestseller Furore machen und in mindestens zehn Fremdsprachen erhältlich sein wird. Auch in äußerst rezensierter Form, wird es ein bahnbrechender Erfolg werden. Den Gewinn werde ich mit Maria verprassen. Irgendwo, wo man uns nicht kennt. Weit weg von Buñol. Wo keiner weiß, woher das Vermögen kommt. Ich denke da an Papua Neuguinea oder so. Marias Schlüsselbund schwenkte ich lässig hin und her wie ein Weihrauchfass, dein Leib war Gottes Tempel. Der Herr schenke Dir ewige Freude dann schenkte ich Rotwein nach. Karl Schönberg hätte an dieser Stelle bestimmt auch noch so einiges anzufügen, spekulierte ich, doch schlug ich mein Notizheft mit Genugtuung zu. Komme was wolle, ich würde es nichts mehr aufschreiben wollen. „Bezahlen!“, schrie Heli plötzlich laut heraus und ich überlegte mir, ob ich ihn nicht einladen sollte. „Verhuren werde ich all mein Geld, Alonzo. Verhuren! Weißt du warum?“ Ni idea, mi amigo, sagte ich ihm und machte eine Geste des Erstaunens. „Weil der immer steht. Und sollte sich dies ändern, kann ich immer noch einen Kochlöffel zwischen die Beine klemmen und reinscheißen.“ Mit beiden Händen hielt ich mein Notizheft geschlossen. Servus, Herr Schnitzler, dachte ich mir und irgendwie stellte ich mir die Frage, ob er mich wohl irgendwann als Kollaborateur verfluchen würde. Absolution ist angesagt Adios, Schönberg und Schnitzler. Schmelztiegel außergewöhnlicher Charakterlandschaften. Verweigerer spießiger Bourgeoisie. Krokodillederstiefel und Schlangengurt. Schönberg & Schnitzler werden Sie vergessen, sobald sie aus den Nachrichten verschwunden sind.