Damit wir uns richtig verstehen

Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt

In wilder Lust gehen junge Erwachsene die viel zu heißen Julitage in der Alpenstadt Chur an. Die Schule ist nicht mehr so wichtig, ebenso elterliche Weisungen. Doch ertappt man sich gegenseitig in gleichem Tun, die Zeit der Geschehnisse wird wohl der einzige Unterschied bleiben. Die Geschichte erzählt vom Verlieben, von Häuslichkeiten, von Flucht, von Rückkehr, von einem Todesfall, welchen Autor und Leserschaft gemeinsam vollbringen.

Ein literarischer Pot-au-feu für Erwachsene. Ein Feuerball, Ein Komet. Immerwährende Teen-Situationen mit viel Sprachwitz erzählt. Flink und spannend.

Auszug

Damit wir uns richtig verstehen

Erschienen im Januar 2013

Roman, 110th Verlag

chichili agency

Ebook, ca. 37 Seiten

Mit prononcierten Worten versucht dann Hildegard ihre Tochter zur Vernunft zu bringen. Oder zumindest in diese Nähe. Fräulein Margot allerdings fungiert dann locker weiter, das habe sie von Gerald, bemerkt sie in aller Harmlosigkeit und erzählt derweilen von der Schule, vom Lateindioten Brechbühl, vom Mundgeruchmathematikprof Cadonau oder von Babydoll, der Deutschlehrerin. Warum so spät heute, will der soeben in die Küche eintretende Gerald wissen. Klaubt sich ein Stück Bienenstich und stopft es sich genüsslich in den Mund. Habe Katja alleine an unserem Haus vorbeigehen sehen. Habt ihr Zoff? Margot meckert vor sich hin und beugt sich, ihren Vater ignorierend, tiefer über die Pralinenschachtel. Dass sie freundlich gegen ihn sein soll, ermahnt er sie und greift nach einem weiteren Bienenstich. Aber bitte, jeder hat da noch so seine eigenen Wege. Soll ja auch so sein, nicht wahr? Ist das Zeugs hier vom Webster?, fragt Gerald sich an seine Frau wendend und führt das kollektive Futtern, das solidarische Hineinbuttern mit Margot fort. Vom Gubser, gleich neben dem Kunsthändler Van Lanthen, unterhalb des Rathauses. Weißt du wo? Gehe heute noch in die Sauna. Bin dann um zehn oder elf Uhr wieder hier. Weißt du jetzt wo? Ja, natürlich weiß ich wo, Hildegard. Gleich unterm Rathaus. Margot, noch immer im Rausch ihrer Gefühle: So spät? Du bist mir vielleicht ein Ehemann! Obwohl, jeder hat da noch so seine eigenen Wege, soll ja auch so sein, nicht wahr? Gerald, mit väterlicher Nachsicht: Göre! Hildegard, insistierend: Warum erst gegen elf? Weil ich mich entspannen will. Entspaaaneeen! Verstehst du? Ärgerlich drängt er Margot vom offen stehenden Kühlschrank weg und holt sich Hobelfleisch und Rohspeck heraus. Schnippisch zupft Margot darauf ihren Mini zurecht, freundliche Grüße an Mary Quant, und rauscht Attitüdenpatzig, ihren roten Natur-Afrolook schüttelnd, aus der Adipositasgefahrenzone Nr. 1. Dass sie ihren Vater soeben vorgeführt habe, glaubt sie und schmunzelt über ihren vermeintlichen Sieg. In den Ohren ihren MP3 Sound. Die verspätete Heimkehr sei somit wohl in Vergessenheit geraten, Tabula rasa, vom Tisch gefegt sozusagen. Er wird mit Sicherheit als Letzter von ihrer Romanze erfahren. Ausgerechnet er, mit seiner Heimlichtuerei. Seinen nebulösen Saunagängen, welche auch immer öfters werden.

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