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John Peter Maximilian Huxley

Digital

John Peter Maximilian Huxley

- Nobility is a warm gun

Erschienen im Februar 2014

Roman, 110th Verlag

chichili agency

Ebook, ca. 93 Seiten

Mit dem Ehrenwort eines Dichters

Und mit dem Ehrenwort eines Dichters versichere ich Ihnen meine heftigen Gedanken, sowie meine wahren Gefühle, und unter buschigen Brauen hervor betrachte ich unsere Welt wider üblicher Gewohnheit. So soll es mein Verdienst sein, Ihnen hiervon berichten zu können. 

Äußerst charmant. Ephatiegeladen und eloquent vom Anfang bis zum Schluss. Witzig. Mystisch. Poetisch.

Auszug

Ich bräuchte mal einen Ortswechsel, begründete ich mein Vorhaben und überdies wäre Miss Orwell dankbar, wenn sie die Abendstunden nicht alleine verbringen müsse, dazu käme, dass sie mir kostenlosen Klavierunterricht versprach, so oft ich wollen würde und!, sagte ich Tante Helen, habe ich unweit vom Wohnort, keine fünf Minuten zu Fuß, eine Arbeitsstelle als Billettverkäufer in einem Kleintheater gefunden. Tante Helen gab sich weder überrascht, noch empört, doch erinnerten mich ihre Blicke plötzlich an die jenes Bernhardinerhundes in St. Moritz, welchem ich als Junge einst einen Wurstzipfel zustecken wollte und dann doch selber aß. Wohl oder Übel musste sie meinen Entscheid akzeptieren, ich würde weiterhin ihren Garten pflegen wollen, versuchte ich ihr zu erklären, drückte sie fest an mich, küsste ihre Wangen, stieß sie darauf sanft von mir und lächelte sie ergeben an. Ein Katzensprung entfernt sei es von hier aus, säuselte ich ihr zu und außerdem würde ein Auszug bestimmt auch meinem Mannsein beitragen, die Rekrutenschule alleine hätte dies noch nicht geschafft, wie sie ja selbst öfters betont hatte. Ganze fünf Minuten dauerte unser Gegenüberstehen. Unendlich lange kam es mir vor, ich dachte an Onkel George, sie möglicherweise auch, denn unaufhörlich züpfelte sie an meiner Kleidung herum, an meinem Gewissen ebenso. So stand ich da in Sandaletten, kurzen Hosen und Hemd, meine spitze Nase stach dabei über ihren Kopf hinweg in die frische Morgenluft und wie bei einem Appell überblickte ich den Hof, fasste jeden der Postulanten vor mir tief ins Auge, fragte nach ihrer Herkunft, ihren Namen und wohin des Weges sie sind. Natürlich blieb man mir die Antwort schuldig, ich jedoch wusste, wohin mich der Wind tragen würde.

 

Nach wenigen Monaten schon, hörte und spürte ich den vorhin erwähnten Wind immer deutlicher in meinen Träumen. Beinahe jede Nacht strich er über die Gardinen und stieß sanft das angelehnte Fenster auf, um sich in mein Zimmer zu schleichen. Unter seinen Einflüsterungen schlief ich in unruhigem Körper, doch wandelte ich bereits in strahlendem Sonnenschein über Wiesen und Matten, der Schnee schmolz ruhelos dahin, nur noch in Graben und Furchen blieb er in erschöpftem Grau liegen, aus vergilbtem Gras lugten lustig schwarze Maulwurfshügel und in der Ferne sah ich eine rote Fahne mit weißem Kreuz flattern, so, als würde sie mich heranwinken wollen. Junge Burschen und Mädchen tummelten sich dort herum und der Weg zu ihnen war mit löchrigen Pflasterkäsen besetzt. Kühe zwinkerten mir aus großen Augen zu, unaufhörlich spritzte Milch aus ihren Eutern und besprenkelte die Wiesen, das zarte Grün, welches sich unter flachgedrücktem Braun an die Oberfläche durchschlug. Kauderwelsch würde man hier sprechen, stammelte ein junger Bursche auf Englisch und machte sich wieder daran, den Mädchen hinterher zu rennen. Lieblichst hätte ich es ihm gleich getan, es juckte mich an allen Enden, auch fing mein Puls an schneller zu schlagen und mein ganzes Gesicht strahlte wie die Maisonne, doch fühlte ich mich zu alt dazu. Entschlossen griff ich nach der Krempe meines Hutes, zog ihn mir in einer Bewegung vom Kopf und warf ihn mit Schwung und jauchzend in die Luft. Vom Wind erfasst flog er über das Tal hinweg, streifte Tannenwipfel und purzelte weiter im Hauch meines Atems. Als unverbrüchlich drängten sich mir diese Traumerlebnisse, diese Reisen in fremde Gefilde auf, dem Schlafe mich entzogen, durchquerten dennoch tiefe Abdrücke meine Besinnung, langsam nur senkte sich das ungewisse Gefühl, ob es sich um eine Vorahnung handelt oder nicht, und wären mir fliegende Auerochsen begegnet, die Frage wäre geblieben.