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Grenzschutzgebiet

Beitrag 2019 - N.d.s.T.

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grenzschutzgebiet

 Grenzschutzgebiet

Der Bub hat dreingeschaut als hätte seine Mutter an der Schokoladenschublade ihn erwischt. Erhöhter Augenblick unerwünschter Reputation. Süßer Schweiß und Tod. Kriechende Kälte in die Knochen. Außerhalb bibelfester Umgebung. Königliche Hoheit, sie haben einen aus reinstem Beflissen geschnitzten Charakter, sagt sich der Bub und - lass mich lieber zum Schwerte greifen… lieber als vor Mutters Peitsche lallen. Es hat genug für alle. Und wie von selbst fällt das Fleisch von den Knochen. Ihr braucht das Messer gar nicht. Und in der Schwarte ist der meiste Geschmack. Rückt näher ans Feuer. Feuer frei. Bang! Bang!

 

Der Bub hat reingeschaut. Er wartet bis es dunkel ist. Das Auge am rechten Fleck. Keine sozialen Defizite mehr. Keine Paralysierungen. Aufgelegt die Hand. Hand aufs Herz. Schnell klopfendes Herz. Sein Herz klopft schnell. Es ist ihm verinnerlicht worden. Er weiß damit umzugehen. Fühlt sich wie ein Märchenprinz, der Gedichte vorlesen tut. Man nehme… so wie es in jedem Kochbuch zum Lesen nach ist. Dann schlägt man zu. Das Buch. Und schaut sich angespannt um. Und langsam hat es eingedunkelt. Eingefädelt der Tag im dichten Unterholz. Dem Boden entlang schleichend als fliehender Nebel. Knorrigen Ästen entlang. Nicht zu verwechseln die Frühlingslorchel unter sich mit den Morcheln unter ihnen. Und er wird sie kriegen. Das Phalloide Syndrom und auch die, die, die Keuchende und ängstlich vor ihm Fliehende.

 

Das, was sich in Mutters Schoße verborgen hält wird er sich zu Leibe führen. Sich diese Gunst einverleiben. Der Mund aufgerissen am Fleischwolf angehängt. Überstülpte Lippen. Fett die Leber. Und all dieses und jenes Leckereien in seinen Schlund herunter nudeln.

Er verschnellert seine Schritte. Lust auf Schweiß. Auf Schwarte. Lust auf Fleisch. Auf Schweiß. Es riecht nach Tier. Nach Blätter. Er wird sich selber belohnen wollen. Seine geröteten Bartstoppeln dicht an ihren Worten, ihren Fersen. An ihrem Sohlenprofil. Ein Profiler. Ein Fallanalytiker. Erstellt Profile von Straftätern. Wie seine Mutter. Suchend zwischen schlammigen Dornen und aufgeschrecktem Vögeln. Artgerechte Beute schlagend. Vorurteilslos. Und langsam an der Schublade ziehen. Und nochmals durchs Dickicht spähen. Entlang dem Sonnenuntergang. Durch den durchgefurzten Nebel in Richtung Sicherheit. Ein Leben in Angst und Schrecken. In eine Machtposition verrückt. Transformiert. Ein an den Hinterläufen aufgehängtes und vom feuchtstinkenden Fell befreites Tier. Freiheit sei das Wichtigste von allem, sagt er. Und will sie weiter hetzen durch gebotenes Gebiet. Über Stock und Sein. Eine Trophäe wäre schön. Sehr schön. Sehr schön sogar. Einen Nagel durch die kahle Stirnplatte in die Wand schlagen. Kostend das auf dem Teller liegende Hirn. Unter fließendem kaltem Wasser soll man es waschen bis es schön weiß ist. Frühlingslorcheln sind Braun. Einen Riegel abbrechen. Ein Schokoriegel. Reumütig neben brennendem, gar in Flammen stehendem Kandelaber sitzend. Und alles Süße von Hand und Fuss lecken. Sie wird ihn nicht erwischen. Kein Verfahren. Er wird sie jagen wollen. In ihrer Rechtschaffenheit. Ihrer Ordnung. In ihrer Zucht und Ordnung. In ihren Züchtigungen. Ihrer Flucht. Ihren Befehlen. Ihren Flüchen. Der Herausforderung erlegen die Täterschaft. Suchtkrank jeder Atemzug. Jedes Augenzwinkern. Jede Berührung eines Baumes und dessen Hervorspähen. Alles zu seiner Zeit. Zu jeder Zeit. Jederzeit bereit. Immer schön der Gier entlang. Zweimal schauen. Zweimal sagen, zweimal sagen. Weitersagen. Bang! Bang!

 

Schlammgeruch. Dreckiger Achillesfersenabdruck. Er wird sie kriegen. Sie gehört ihm. Viel weiter wird sie nicht kommen. Zurückgewiesen das Fleisch. Ohne Fleiß kein Preis. Es wird wie von selbst von den Knochen fallen. Als Rinde von Bäumen bröckeln. Dort wo sie sich angelehnt. Sich versteckt. Um Gnade gebettelt. Mit ihm geliebäugelt. Eigentlich glaube er stets ans Gute im Menschen. Gut ist, wer Gutes tut. In der Schwarte sei am meisten Geschmack. Und noch ein wenig zieht er am Schubladenknauf. Ausspähend jede Ecke, alle Kanten.

 

Parasiten will es los werden das Ferkel. Und tunlichst bei der Sache, drückt es sein ganzes Gewicht in den Dreck, das Schwein. Schielend nach hellen Stellen hinter den Fichten. Die sich von Baum zu Baum schleichen. Triefendes Fleisch am Spieß sich drehend in Hitze und Glut. Fressen und gefressen werden. Dem Frass vorgeworfen. Vorgeschoben in Flammen stehenden Tages und bei Nacht. Und dazwischen Abendbrot. Mutter ist Tag und Schwarz die Nacht. Verbote und Gebote. Heimliche Gebete. Runde um Runde, Stunde für Stunde. Umnachtungen. Seinen Kopf an ihren Bauch geschmiegt. Umklammernd ihren Oberschenkel. In viel zu hohen Absätzen steht sie da. Ad hoc. Er glaubt ans Gute im Menschen. Gut ist, wer Gutes tut. Er tut Gutes. Schon immer. Seit klein auf. Seit Kleiner. Seit Bäume Rinde tragen. Die Blume des Lebens. Knospe aller Verdamnisse. Aller Temperaturen. In Celsius und Verfahrenheit. Nascht man davon, fühlt man sich auserwählt. Will weitermachen hierfür, dafür. Für dieses und jenes.

 

Den Musterknaben hinter dem Ofen hervorlocken. Leicht geöffnete Schublade. Leicht gekleidetes schönes Kind. Schönes Kleid. Immer wieder erinnernd seiner Mutter. Seelenverwandt. Unter Einfluss. Unter gebührendem Zufluss. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Nur noch fettverschmiertes Papier in Schublade und Müll finden, sich finden lässt? Ein Feuer das andere nieder brennt?

 

Als Chimäre entlarvt sehe ich sie vor mir liegen. Neue Begierden. Letztes Vorbereiten. Aufgebäumt das Pferd. Alles Abtrünnige. Speere umfasst. Gebündelt die Lanzen der Ritter. Aufblitzend Mutters Zähne am Hügelgrad. Sorget für mein Weib und Kind!, schreit es aus mir und trete die Schublade ein. Gefressen die Schokolade. Revolvergebiss im Fisch. Im Haifisch. Im H I G H – Fisch. Singend der Adriana von der Tankstelle lauschend.

 

Gesang:

Was tun, wenn das Benzin alle ist? Mutterschaften sich verlieren, Standesdünkel einem nicht mehr halten und man nur noch den Wolf im Schritte spürt?

Die Ungeheuer der Gelüste. Zusammenstürzend den roten Himmel betrachten und…

So nicht! Nicht so! So nicht!

 

Geläutert will er sich machen und Finger lassen von Speck und Schwarte von Samt und Seide, von Schwarte und Speck, die wie Stadtteile ineinander übergehen. Doch soll sie doch fliehen, wenn sie will. Und Leben riechen und ein weiterer Synästhet, ein junger Hüpfer unter Verwandten ersten Grades sein. Oder auch nicht. Ihr braucht keine Messer dazu. Mehr nicht. Einhalten die Arbeitszeiten. Das Fleisch fällt wie von selber nach dem kochen. Daran ziehen, kompensieren die nicht belohnte Morbidität. Mutter hin oder her, ich werde mir ein Stückchen aufbrechen. Schließlich bin ich zu ihrer Rettung hier. Nimm mich zu deinem Manne und lese das Bekennerschreiben, meine Signatur aufrichtiger Liebe. Weiss in Schwarz. Ihre blonden Haare hinter den dichten Fichten im Finsterwald sich abzeichnen. Wenn deine Liebe zum Leben ein leerer Strand ist, weine nicht – weine nicht. Dein Feind dich in Reichweite hat, stirb nicht - stirb nicht. Wo Scheiße zu Schokoladentropfen wird heißt es im Text also fliege also - fliege. Es bleibt nichts im Dunkeln. Lauf kleines Schwein, lauf, lauf, lauf. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche. Es war Shakespeare und nicht Romeo, der Juliet den Gnadenstoß versetzte. Pflichtbewusst. Effizient. Im Herzen spürend die Ungeheuer der Liebe. Zusammenstürzend die purpurnen über Fliesen strömenden Mäander betrachten, Schlangenkopf aus Baumkronenlaubgeäst sich runter schraubt. Lockenwickler. Blondes Haar ist wunderbar. Im Winde wehend der Prinzessin Matte, sporierend den weißen Schimmel über Stock und Stein, das, das, das ist die Endospore des Bakteriums, welch nichts anbrennen, welch nichts im Dunkeln lässt.