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Impressum / © 2020 Andreas Wieland

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Kladderadatsch! Kladderadatsch!, schnaubte sie mich an, als ich wohl etwas überzogen bemerkte, dass ich ihre springenden Brüste möge. Doch ohne auch nur eine Sekunde aus dem Takt zu geraten, joggten wir weiter dem waldbestandenen Hang entgegen. Dann schnaufte sie auf einmal in einem mir bis dahin fremden Rhythmus und meinte, dass bei mir auch so einiges wackeln und hampeln würde. Allerdings könne sie all dem bei Gott nichts Anziehendes abgewinnen. Und ohne mich anzuschauen, fragte sie weiter, ob ich das denn noch nie gemacht habe. Also, ob ich noch nie nackt durch die Natur gesprungen sei. Nö, sagte ich tonlos und vielleicht sogar etwas unsicher. Nö, bislang noch nicht. Und ohne zu ahnen, wie sehr ich sie jetzt gewonnen hatte, lief ich behände an ihrer Seite weiter. Auch für sie sei dies das erste Mal, vertraute sie sich mir an und schenkte mir ein Lächeln. Von nun an lächelten wir uns schon fast regelmäßig zu, abwechselnd, einmal sie mir, dann ich ihr. Über die Schulter schauend, einmal seitwärts, dann retour, natürlich auch stur nach vorne, unbemerkt, im heißen Atem dieses Sommertages. Avancierend in geheimnisvoller Laune, eine Art Übermut, möglicherweise. 90-60-90!, schoss es mir durch den Kopf, als sie vor mir herlief. Keuchend, aber auch lechzend und schmachtend stieg ich ihr hinterher, durch den beblätterten und von Sonnenkringeln durchdrungenen Wald, von Schweiß eng umschlossen mühte ich mich in meinem Körper ab. Erschöpft warf ich mich nach wenigen Minuten des Anstiegs auf eine bemooste Rodung, naturgemäß hoffte ich, sie möge sich zu mir hinlegen, ihre entzückend weiße Haut auf das dunkle Grün niedersenken und ruhend ihre Brust den Baumkronen entgegenhalten. Hechelnd streckte ich mich auf dem Boden aus, als sie sich wie eine Gewaltherrscherin breitbeinig über mein Gesicht stellte und mich zu neuer Leistung nötigte. Dass joggen kein Honig- oder Zuckerschlecken sei, schrie sie mich an und weiter, dass ich mich daran gut täte, schleunigst eine andere Haltung einzunehmen, ansonsten sie für nichts garantieren könne. Mit aufgerissenen Augen, teils aus Furcht, teils aus Verzückung, mühte ich mich tatsächlich wieder in die Laufposition und rannte ihr erneut hinterher. Grell klatschten mir immer wieder ihre Ansporntiraden entgegen. Ins Gesicht, in den Bauch, alles Wackelnde und Hampelnde musste daran glauben. Und doch, führte ich mir auch nur für eine Sekunde ihre springenden Brüste vor Augen, beseelte dies meinen Ehrgeiz, und ich hätte mir schwören wollen, nichts von diesem Vorhaben zu bereuen. Kladderadatsch! Kladderadatsch!, rief sie begeistert und japste nach Luft. Ich erschrak und freute mich gleichzeitig, als sie plötzlich stehen blieb und sich auf eine breite Moosfläche fallen ließ. Glauben Sie mir, ich hätte mich liebend gern zu ihr hingelegt, doch stand ich breitbeinig über ihr Gesicht und trieb sie zu neuer Tat an. „Kein Zuckerschlecken! Kein Honiglecken!“, schrie ich im Generalston auf sie nieder und stampfte dabei immer wieder mit dem Fuß auf. Wohl von meinem Mut und meiner Entschlossenheit beeindruckt, räkelte sie sich auf und rannte mir hinterher. „Hast du das schon mal gemacht?“, rief sie in meinen Rücken. Nein! Noch nie!, rief ich zurück. Und tatsächlich staunte ich über mich selbst, so war ich doch meiner Wirkung auf Frauen nie so ganz bewusst gewesen. An diesem Tag fielen jedoch alle Skrupel von mir ab, endlich kannte ich jemanden, der es nie wagen könnte, meine Fähigkeiten anzuzweifeln.

Grellpastell

Kurzgeschichte

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